Geschichte

„Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist noch nicht einmal vergangen“, meinte der Schriftsteller William Faulkner. Und er hat Recht: Geschichte zielt nicht auf das Nacherzählen des Vergangenen, sondern auf Orientierung für die Gegenwart.
Dazu muss der Geschichtsunterricht zunächst einmal vermitteln, was im Lauf der Zeit geschehen ist, soweit unser Wissen davon reicht. Von Anfang an legen wir jedoch großen Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler die Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit auf ihre eigenen Lebensverhältnisse beziehen. Sie sollen Unterschiede und Parallelen erkennen und zu eigenen Urteilen über die Vergangenheit kommen. So wird Geschichte zum Denkunterricht, der der individuellen und gesellschaftlichen Selbstvergewisserung dient.
In der Jahrgangsstufe 6 bekommen die Schülerinnen und Schüler eine Orientierung in der Geschichte. Sie lernen die Zeitrechnung als Ordnung der Vergangenheit kennen und erfahren, dass Historikerinnen und Historiker nicht nur die vielen geschichtlichen Ereignisse, Personen, Daten und Fakten in die richtige chronologische Reihenfolge bringen, sondern auch in größeren Abschnitten, den Epochen, zusammenfassen. Nach dieser Einführung lernen die Schülerinnen und Schüler die Frühzeit des Menschen kennen, sie beschäftigen sich mit den alten Hochkulturen, dem antiken Griechenland und dem Imperium Romanum. Als nächstes Thema schließt sich das Mittelalter mit seinen unterschiedlichen Lebensformen an.
Nach einer einjährigen Pause setzt sich der Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 8 und 9 (in den bilingualen Klassen nun auf Englisch und mit einer zusätzlichen Stunde in Klasse 8) fort. Der Faden wird im Mittelalter wieder aufgenommen, bevor die Renaissance und das Zeitalter der Entdeckungen in den Blick kommen. Die Entwicklung des Verfassungsstaates durch die bürgerlichen Revolutionen, die Industrialisierung Westeuropas, die Entstehung der Nationalstaaten, der Kolonialismus und die Katastrophe des Ersten Weltkriegs werden danach erarbeitet. Anschließend stehen die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Diktatur auf dem Programm. Ausführlich werden (in der neuen Ordnung von G9 in der Jahrgangsstufe 10) dann Deutschland und die Welt nach 1945 thematisiert.
In bilingualen Klassen werden ergänzend zum Curriculum der Regelklassen verschiedene Epochen der anglo-amerikanischen Geschichte behandelt und insbesondere mit Blick auf Verknüpfungen mit der deutschen Geschichte untersucht.
Neben den inhaltlichen Aspekten lernen die Schülerinnen und Schüler auch verschiedene methodische Zugriffe kennen, wie die Auswertung von Karten, Statistiken, Bildern und natürlich Texten. Rollenspiele zur mittelalterlichen Grundherrschaft oder zur Französischen Revolution und historische Projekte wie z. B. die Herstellung von Kupferschmuck, wie ihn die Menschen der Bronzezeit trugen, können ebenso wie fiktionale Texte den Unterricht ergänzen. Exkursionen, etwa ins Neandertal, auf den Spuren der Römer nach Xanten oder zu den verschiedenen Industriedenkmälern der Region lassen die Vergangenheit unmittelbar erfahrbar werden.
Der Geschichtsunterricht in der Oberstufe nimmt die Kenntnisse und Methoden auf, die die Schülerinnen und Schüler im Unterricht bereits erworben und angewandt haben. Die Arbeit an und mit historischen Quellen rückt jetzt in den Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens (schriftliche Quellen, Bauwerke als historische Quellen, Analyse und Interpretation von Bilddokumenten und Karten, Untersuchung von politischen Reden, Fotografien, Film- und Tondokumenten, Karikaturen, Zeitungsartikeln, Statistiken und Grafiken). Darüber hinaus werden verstärkt die Darstellungen von Historikerinnen und Historikern als Interpretationen der Vergangenheit erschlossen und diskutiert. Die Diskussion tagespolitischer Ereignisse in ihrer historischen Dimension fließt in den Geschichtsunterricht ein. Sie begleitet auch unterschiedliche Arbeitsformen wie z. B. Planspiele, Museumsbesuche und Projektarbeit (Befragung von Zeitzeugen). 
Thematisch umfasst das Fach Geschichte in der Einführungsphase (EF) drei Längsschnitte: „Fremdsein“ (von Griechen und Barbaren bis hin zur Arbeitsmigration des 20. Jahrhunderts), „Begegnung von christlicher und islamischer Welt“ (von den Kreuzzügen bis ins 20. Jahrhundert), „Menschenrechte“ (von der Aufklärung bis zu heutigen Menschenrechtserklärungen und Menschenrechtsverletzungen). In der Qualifikationsphase (Q1 und Q2) schließt sich eine vertiefte Betrachtung der deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert mit ihren internationalen Verflechtungen an. In bilingualen Kursen der Oberstufe werden einzelne Themen durch Aspekte der englischen und amerikanischen Geschichte ergänzt und teilweise ersetzt.
Geschichte wird in der Oberstufe meist als Grund- und als Leistungskurs (oft in Kooperation mit den anderen Mülheimer Gymnasien) angeboten. Obwohl Geschichte zu den Wahlfächern gehört, ist die Belegung von mindestens zwei aufeinanderfolgenden Kurshalbjahren während der Qualifikationsphase Pflicht.