Der Eintritt ins Gymnasium – Was wird alles anders ?

Der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium ist ein spürbarer Einschnitt. Die Schülerinnen und Schüler verlassen die gewohnte Geborgenheit der Grundschule und müssen sich auf eine neue Lernwelt einlassen. Die Neuen sind nicht mehr die Ältesten wie noch knapp zwei Monate vorher, sondern fangen wieder als Jüngste an. Der Schulweg ist anders und länger. Das große, unübersichtliche Schulgebäude will erst erobert werden.
 
„Erprobungsstufe?“ – Stufe der Erprobung!
 
Während der beiden ersten Jahre soll den neuen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ein kindgerechter Übergang von der Grundschule ermöglicht werden. Nach und nach und in zunehmendem Maße sollen sie ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit erlangen.
 
Die beiden Klassen 5 und 6 dienen der Erprobung, Förderung und Beobachtung der Schülerinnen und Schüler, um die Entscheidung über die Eignung für die gewählte Schulform sicherer zu machen. Da dies nur in einem langfristigen Prozess geschehen kann, bilden diese beiden Klassen eine pädagogische Einheit, d.h. alle Schülerinnen und Schüler gehen ohne Versetzungsentscheidung von Klasse 5 in Klasse 6 über. Das Kind erhält die Chance, die eigene Leistungsbereitschaft und –fähigkeit zu testen, wobei seine Lehrerinnen und Lehrer ihm begleitend und fördernd zur Seite stehen. Sie beobachten sein Lern- und Sozialverhalten, knüpfen enge Kontakte zu den ehemaligen Grundschullehrerinnen und –lehrern und v. a. zu den Eltern, um am Ende der Klasse 6 eine fundierte Entscheidung über die weitere Schullaufbahn treffen zu können.
 
Was erwarten wir von unseren Fünftklässlern? Was können unsere Fünftklässler von uns erwarten?
 
Ein ganz offensichtlicher Unterschied beim Eintritt in das Gymnasium ist die Erweiterung des Fächerkanons: Der bekannte Sachunterricht differenziert sich nun in die Fächer Erdkunde, Biologie, Physik, Chemie, Geschichte und Politik; Englisch wird nun zu einem schriftlichen Fach. Auch das Fachlehrersystem und der Doppelstundenrhythmus sind anfangs noch gewöhnungsbedürftig. An diese Veränderungen (von vielen auch schon mit Spannung erwartet) werden die Kinder behutsam herangeführt.
 
Die Erprobungsstufe dient dem Ausgleich der unterschiedlichen Kenntnisstände, die die Kinder aus den diversen Grundschulen mitbringen. Vor allem das 1. Halbjahr der Klasse 5 dient deshalb einer generellen Wiederholung, die aber zugleich verallgemeinernd, strukturierend und vertiefend ist. Erst nach und nach treten neue Themen hinzu, die in zunehmendem Maße an gymnasiale Unterrichtsinhalte und Arbeitsweisen heranführen.
 
Das Gymnasium unterscheidet sich von anderen Schulformen durch sein höheres theoretisches Anspruchsniveau. Zudem ist das Lerntempo schneller und die Stofffülle umfangreicher. Die dadurch bedingten kürzeren Übungsphasen verlangen vom Kind ein hohes Maß an Fleiß, Disziplin und Eigenständigkeit.
 
Pro Schuljahr werden jeweils 6 Klassenarbeiten in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik geschrieben. Die Vorbereitung darauf setzt eine gewisse Belastbarkeit und ein ausdauerndes und selbstkritisches Lernen voraus, das durch ein begleitendes gezieltes Training geschult wird.
 
In Bezug auf die Erstellung der Hausaufgaben hat das Kind sicherlich schon in der Grundschulzeit bewiesen, inwiefern es in der Lage ist, seine Zeit zu managen, sich selbst zu motivieren und weitgehend ohne fremde Hilfe zu arbeiten. Auch diese Fähigkeiten werden im Laufe der Zeit weiter ausgebaut. Die Methodenschulung erstreckt sich aber nicht nur auf die Vorbereitung von Klassenarbeiten und die Anfertigung von Hausaufgaben. Das Lernen Lernen wird auch auf andere Bereiche systematisch ausgedehnt: z.B. auf die Einrichtung eines funktionierenden Arbeitsplatzes und eine ordentliche und übersichtliche Heftführung. Zur Verbesserung der individuellen Arbeitsweise können Übungen zur Konzentrations- und Selbstmotivation praxis- und anwendungsnah trainiert werden. 
 
Wie geben wir dem Kind ein Gefühl der Kontinuität?
 
Um den ehemaligen Grundschülerinnen und –schülern eine kontinuierliche Eingewöhnung zu ermöglichen, sind intensive Kontaktaufnahmen zwischen LehrerInnen der beiden Schulformen während (und z.T. schon vor) der Erprobungsstufe nötig. Diese Zusammenarbeit beginnt mit dem Besuch der Erprobungsstufenleiterin in den abgebenden Grundschulen. In den Gesprächen geht es um Charakteristika und evtl. Besonderheiten der angemeldeten Schülerinnen und Schüler. Diese Informationen beeinflussen die Zusammensetzung der neuen 5er-Klassen und erleichtern den zukünftigen Klassenlehrerinnen und –lehrern den Kennenlernprozess.
 
Im Laufe des 5. Schuljahres treten Grundschul- und Gymnasiallehrer dann zu einer gemeinsame Konferenz zusammen, um sowohl über die Lernstands- und Persönlichkeitsentwicklung einzelner Schülerinnen und Schüler als auch allgemeine pädagogische Fragen zu beraten.
 
Eine weitere Form der institutionalisierten Zusammenarbeit ist der alljährlich stattfindende Schulform übergreifende Workshop mit seinem zentralen Anliegen der Übergangserleichterung.
 
Bei der Klassenbildung stellen wir möglichst heterogene Gruppen zusammen, um allen Schulanfängern gleichermaßen einen wirklich neuen Start zu ermöglichen. Große Grundschulverbände teilen wir, um Dominanzen zu vermeiden. Natürlich berücksichtigen wir die Wünsche der Kinder und ihrer Eltern und die Ratschläge der Grundschulen. Die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer bleiben bis einschließlich Jahrgangsstufe 7 in ihren Klassen. Sie leiten auch die erlebnispädagogisch orientierte Klassenfahrt, die turnusmäßig zu Beginn der Klasse 6 stattfindet.
Der Klassenverband selbst bleibt bis zum Ende der Sekundarstufe I erhalten; er wird nur für die Differenzierung in z.B. Religion und erstem und zweiten Wahlpflichtbereich stundenweise geteilt.
 
Wie ermöglichen wir dem Kind eine schrittweise Integration in die Schule?
 
Beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium ist Integration das leitende pädagogische Prinzip. Neben der alltäglichen Arbeit an der Entwicklung der fachlichen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse ist die Bildung einer guten Klassengemeinschaft ein wichtiges Anliegen.
 
Die Integration in die Klasse wird unterstützt durch eine gemeinsame, alle aktivierende Klassenraumgestaltung. Interessante Unterrichtsgänge z.B. zu einem Wochenmarkt, zur Phänomenta oder zum Düsseldorfer Flughafen und nicht zuletzt die Klassenfahrt am Ende der Jahrgangsstufe 5 lassen ein solidarisches Wir-Gefühl entstehen. An Klassennachmittagen können sich Eltern, Lehrer und Schüler bei Spiel und Spaß näher kennenlernen. Dem sozialen Lernen wird in der Jahrgangsstufe 5 eine zusätzliche Wochenstunde gewidmet, wo ausdrücklich in konkreten Unterrichtsbausteinen Themen wie „Gefühle“, „Freundschaft“, „Verantwortung“, „Selbstvertrauen“ und Kommunikation“ angesprochen werden. Die soziale Kompetenz ist ein wichtiges Erziehungsziel. Deswegen muss der Entwicklung der individuellen Persönlichkeit und sozialen Gruppe auch Zeit und Wertschätzung eingeräumt werden, um Klasse und Schule als Gemeinschafts- und demokratische Lebensform einzuüben.
 
Zu einer Klassen übergreifenden Integration innerhalb der Stufe führen Vorlese- und diverse Mathematikwettbewerbe, die Maßnahmen zur Begabtenförderung, der Ergänzungsunterricht zur individuellen Förderung der schwächeren Schülerinnen und Schüler  und das Hausaufgaben- und Nachhilfeangebot der SV.
Weitere Möglichkeiten, die Schule über den Jahrgangsstufenhorizont zu erfahren, sind die zahlreichen - und besonders für Fünftklässler interessanten – AG-Angebote wie Schulchor, Streichorchester, Bläserensemble, Aquarium, Chemie, Hockey und Klettern Auch das Verkehrstraining im Schulumfeld, allgemeine Schulveranstaltungen wie das Sportfest und der Sponsorenlauf und vieles mehr schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl zur Schule.
 
Der Integration in die Schule dienen der Kennenlernnachmittag kurz vor Beginn der Sommerferien, wo die Kinder ihre neuen Klassenkameradinnen und –kameraden, ihre Klassenlehrerin oder ihren –lehrer, evtl ihre Patinnen und Paten und das Schulgebäude kennenlernen. Die Eltern können sich in gemütlicher Atmosphäre untereinander austauschen und erhalten Informationen über Organisation und Inhalte der Erprobungsstufe.
 
Nach den Sommerferien werden die neuen 5er mit einem Gottesdienst und einer Veranstaltung in der Aula begrüßt. An den ersten beiden Tagen betreut ausschließlich die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer die Klasse, erst am 3. Tag findet dann der reguläre Unterricht statt.
 
Was können die Eltern tun?
 
Eine wichtige Funktion des Elternhauses ist die seelische Unterstützung des Kindes. Der Schulalltag bringt eine Fülle unterschiedlichster Anforderungen mit sich. Wenn Eltern dem verbalen und nonverbalen Mitteilungsbedürfnis ihres Kindes mit Interesse und Wohlwollen begegnen, können viele Unebenheiten besser abgefedert werden.
 
Aufgrund ihrer guten Erfahrungen in der Grundschule bauen die Neuankömmlinge oft selbst einen starken Notendruck v.a. in Bezug auf Klassenarbeiten auf. Diese oft zu hoch geschraubten Erwartungen sollten von Eltern relativiert und in einen neuen realistischen Rahmen gesetzt werden.
 
Neben dieser „moralischen“ Unterstützung braucht die Schule aber auch die organisatorische Mithilfe der Eltern, denn von großer Bedeutung für den schulischen Erfolg ist nach unseren Erfahrungen auch die häusliche Situation. Dazu gehört ein Tagesablauf, in dessen Rahmen sich das Kind selbst einordnen kann, ein fester Arbeitsplatz und viel und ungestörte Arbeitszeit, aber auch Zeit für Spiel und Muße, Freunde und Familie.
 
Ein Instrument zur Beteiligung der Eltern an den schulischen Themen sind die regelmäßig stattfindenden Klassenpflegschaftssitzungen, auf denen wichtige Informationen gegeben und Mitarbeitsmöglichkeiten aufgezeigt werden. An Stammtischabenden können sich Eltern untereinander über die Klasse im Allgemeinen austauschen; an Elternsprechtagen werden von Lehrer- und Elternseite individuelle Rückmeldungen gegeben.
 
Durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unterstützen sich Lehrer und Eltern gegenseitig in der Bildungs- und Erziehungsarbeit.