LITERATUR

Broich liest- Lesung im Stadtcafé Sander

Im Rahmen der Mülheimer Vorlesetage unter dem Motto „Lesen ohne Grenzen“ fand am Montag, den 11.11.2019 ab 14:30 Uhr im Stadtcafé Sander eine für alle offene Lesung statt, bei der wir Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit hatten, unsere selbstverfassten Texte zu präsentieren. Vor einem Publikum von etwa 20-30 Personen wurden Essays, Gedichte, Geschichten und vieles mehr vorgelesen, die durch Schulprojekte oder durch generelles Interesse am Schreiben entstanden sind. Die Texte handelten von spannenden Abenteuern, aber auch von tieferen Themen, die jeden zum Nachdenken bringen. Für jeden von uns war es eine sehr schöne Erfahrung trotz Nervosität und wir sind beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei und hoffen natürlich, dass noch mehr Schülerinnen und Schüler ihre Werke vorlesen möchten.
Also traut euch, es lohnt sich!
 
Lina Schwartz aus der Q1

Worte

Worte sind wie Messer, doch sie bohren sich auf eine andere Art und Weise in mein Herz. Sie bleiben dort, lange, länger als ein Messer es würde und schmerzhafter als ein Messer es je könnte.

Manchmal sind Worte schön, schöner als jede Blume und jeder Sonnenuntergang am Meer, jedes Rauschen der Wellen, schöner als jede Umarmung oder jeder Blick.

Meine Gedanken sind wie Scherben, durchsichtig, spitz und scharf. Ich kann mich an ihnen schneiden, mich verletzen, bluten, und ich kann sie zusammensetzen, lesen.

Wenn ich zu viel denke, zerfallen sie in Splitter, lange, gefährliche, die mir wehtun oder ich male sie an, in allen Farben des Regenbogens und in zartrosa und in mintgrün. Zartrosa wie der Himmel, wenn die Sonne untergeht oder mintgrün wie das T-Shirt, das ich getragen habe, als ich am glücklichsten war.

Worte haben eine Macht, der nichts, niemals gleichgestellt werden kann. Sie können so sehr verletzten und schmerzen, aber sie können auch heilen und schenken.

Worte sind kostbar, und wenn sie einmal gesagt wurden, werden sie nie vergessen.

 

Gedanken

Wären Gedanken wie Wellen, würde ich wohl versuchen, in sie einzutauchen. Sie sind groß und stürmisch und unergründlich, doch manchmal auch so schön.

Würde ich meine Gedanken aufmalen, wäre das Blatt entweder schwarz oder regenbogenbunt, aber nichts dazwischen.

Wenn meine Gedanken eine Farbe hätten, wären sie nicht schwarz und nicht weiß, vielleicht wären sie kratzig grau oder unangenehm braun, weil ich mich nicht immer wohlfühle, wenn ich ihnen zuhöre. Oder sie wären blau, beruhigend himmelblau oder orange, orange wie meine Gummistiefel, die immer so quietschen, wenn ich laufe.

Gedanken sind hart, denn sie sind immer ehrlich und verschonen mich nicht vor der Wahrheit. Sie konfrontieren, aber sie lösen auch.

Manchmal wünsche ich mir einen Kleber, mit dem ich meine Gedanken aneinanderkleben kann, damit sie nicht so zusammenhanglos umherfliegen.

Manchmal wünsche ich mir einen Knopf, mit dem ich meine Erinnerungen löschen kann, oder mit dem ich alles verändern kann, wie ich es will. Mit dem ich alles noch mal erleben kann, damit ich aus meinen Fehlern lerne.

 

 

 

Ein Tag

Manchmal frage ich mich, was ich tun würde, wenn ich nur noch einen einzigen Tag leben würde.

Vielleicht würde ich Briefe schreiben oder Zettelchen, jedem wichtigen Menschen in meinem Leben zeigen, was er mir bedeutet und Abschied nehmen.

Vielleicht würde ich meine Lieblingsorte und Lieblingsmenschen besuchen, sie ansehen und mich in ihnen verlieren, wie ich es früher immer tat.

Vielleicht könnte ich all meine Hemmungen und Sorgen vergessen, ganz ich selbst sein und aufhören, so viel Rücksicht auf die anderen zu nehmen.

Vielleicht würde ich mich über diese letzten Stunden freuen, die mir die Augen öffnen und mich das Leben würdigen lassen, oder ich würde weinen, weinen um die wertvolle Zeit, die ich verliere.

Vielleicht würde ich das letzte Mal wie ein kleines Kind schaukeln, auf einer Leinwand malen, auf der nassen Wiese liegen und Bilder in den Wolken suchen, einen Apfel pflücken, eine Blumenkette basteln, mir zwei Zöpfe flechten oder mich ganz komisch anziehen.

Ich würde diesen Tag genießen.

Und manchmal frage ich mich, warum ich das nicht einfach jeden Tag tue.

 

Die Realität

 
Es war finster und ich war allein.
Ich blickte um mich und schlug Bein vor Bein.
Meine Schritte halten in der Dunkelheit
und mein Atem bekam keine Freiheit.
 
Doch plötzlich, es war still.
Mein Herz schlug nicht wie ich es will.
Meine Knie schlugen auf den Boden
und alles Gute wurde mir gezogen.
Doch dann, eine Zeit lang es war dunkel in meinen Augen,
ich vermutete das schlimmste Grauen,
doch sie öffneten sich einfach nicht,
während ich suchte zweifelnd nach dem Licht.
 
„Träume ich? Nein, das geht doch nicht?“
Doch plötzlich öffneten sie sich
und ich flog über die Wipfel der Bäume
und sah die Welt von neuen.
 
So wunderbar und schön die Freiheit zu spüren.
Ich wollte mich doch gar nicht rühren.
Doch plötzlich erschlug sie mich die Realität.
Ich wachte auf und sah wie alles endet:
All das Schöne auf der Welt wird bald weg sein,
wenn wir nicht helfen und sie beschützen.

von Tamina Rasche
im November 2019